Plötzlich Pflegebedürftig - der Erste Hilfe Guide für pflegende Angehörige.Von jetzt auf gleich oder langsam fortschreitend – die Umstände, wie schnell jemand pflegebedürftig wird und einen Pflegegrad und sonstige Leistungen braucht, ist sehr unterschiedlich. Nur reicht es nicht aus, einfach nur einen Pflegegrad zu beantragen. Egal ob plötzliche oder langsam fortschreitende Pflegebedürftigkeit: es treten ganz viele Fragen auf!

Wer versorgt ihren Vater? Wo kann ihre Mutter nun wohnen? Woher bekommen Sie gute Unterstützung? Und wer soll das alles bezahlen?

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die ersten zwei Tage nach Eintreten des Pflegefalls gut meistern, sie bekommen praktische Infos zur Organisation der Pflege und Tipps wie Sie einen angemessenen Pflegegrad für den Pflegebedürftigen bzw. Betroffenen bekommen und viele Dinge mehr. Bitte verstehen Sie diesen kleinen Artikel als kleinen Kompass. Nicht alle Fragen werden hier bis ins Detail gelöst, aber die Richtung wird vorgegeben. Dabei beschränke ich mich auf die allerwichtigsten und drängendsten Themen. Es ist quasi ein Erste-Hilfe-Set bei plötzlich auftretender Pflegebedürftigkeit.

Das allerwichtigste zuerst: Schritt für Schritt in den Einstieg der Pflege

Pflegebedürftigkeit kann ganz plötzlich auftreten. Unerwartet und mit bisher noch nicht abzusehenden Folgen. Vielleicht waren sie gestern noch bei ihrem Bruder Kaffee trinken, alles war in Ordnung und heute erfahren Sie, dass ihr Bruder einen Schlaganfall hatte. Vor einer Woche waren sie mit ihrer Familie noch im Urlaub und heute bekommen sie einen Anruf, dass ihr Kind von einem Auto angefahren worden ist. Mit schwerwiegenden Folgen. Sie bekommen zu hören, dass ihr Kind sehr wahrscheinlich sein Leben lang pflegebedürftig sein wird.

Möglicherweise sind dies Themen, die Sie bisher noch nicht so im Hinterkopf hatten. Vielleicht ist Ihnen das Thema Pflegebedürftigkeit auch nur im entfernteren Bekanntenkreis zu Ohren gekommen. Und plötzlich trifft es Sie.

Was ist innerhalb der ersten 2 Tage zu tun?

Gerade erst haben sie erfahren, dass ein Angehöriger oder ein lieber Freund, eine liebe Freundin plötzlich Pflege braucht. Ganz wichtige Themen an dieser Stelle sind die Klärung der Zuständigkeiten, der Erstversorgung und Informationseinholung.

Informieren Sie sich:

Nehmen Sie Kontakt mit anderen Familienangehörigen oder auch Zugehörigen und Freunden auf und informieren Sie sich bei diesen. Versuchen Sie einen kühlen Kopf zu bewahren, auch wenn das in der angespannten Situation vielleicht etwas schwierig ist. Bevor sie anfangen, Entscheidungen zu treffen setzen Sie sich mit allen Beteiligten möglichst kurzfristig an einen Tisch und tauschen Sie sich aus. Wichtig ist, dass jeder auf dem gleichen Informationsstand ist. Sie haben nicht nur ein Recht darauf, alles über die neue Situation zu erfahren. Jeder von den Beteiligten weiß vielleicht etwas Anderes und daher ist ein Austausch ganz wichtig.

Folgende Fragen kommen da in Betracht:

  • Welche Krankengeschichte hat der jetzt Pflegebedürftige?
  • Was genau ist passiert?
  • Gibt es Informationen darüber wie der Pflegebedürftige versorgt werden möchte, hat er vorgesorgt?
  • Wer könnte sich vorstellen, Aufgaben zu übernehmen?
  • Gibt es eine Patientenverfügung und / oder eine Vorsorgevollmacht?
  • Wer ist der Berechtigte? (Diese Person kann dann in aller Regel auch Auskünfte von Ärzten, Krankenhäusern etc. einholen – sofern dies so festgelegt wurde)
  • etc.

Diese Informationen tragen sie zusammen.

Sprechen Sie mit dem Betroffenen

Sprechen Sie mit dem Pflegebedürftigen, sofern dies der Gesundheitszustand zulässt. Es ist immer wichtig das direkte Gespräch mit dem oder der Betroffenen zu führen. Tauschen Sie sich über seine Bedürfnisse und Vorstellungen aus. Dies sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist aber in der Hektik der plötzlich neuen Situation oft das Letzte, an das man denkt. Wichtig ist, dass sie keine Entscheidungen über den Kopf des gepflegten Angehörigen hinweg entscheiden. Auch wenn dieser Weg vielleicht etwas länger dauert.

Gute Absprachen mit den Beteiligten

Sprechen Sie sich mit allen Beteiligten über die nächsten Schritte ab. Damit vermeiden Sie, dass Aufgaben doppelt erledigt werden oder noch schlimmer, dass widersprüchliche Entscheidungen getroffen werden.

Wichtig an dieser Stelle ist, ob der Pflegebedürftige eine Vorsorgevollmacht ausgestellt hat oder nicht?! Sollte dieser nämlich nicht mehr in der Lage sein, eigenständig Entscheidungen zu treffen, ist die in der Vorsorgevollmacht genannte Person der erste Ansprechpartner. Vergessen Sie auch nicht, die Aufgaben von Anfang an vernünftig zu verteilen. Damit muss nicht eine Person alleine alle Aufgaben übernehmen – und Überlastung wird so vorgebeugt. Sie brauchen für die nächste Zeit nämlich viel Kraft!

Vermeiden Sie sich zu verzetteln – das Wichtigste zuerst

Verzetteln Sie sich nicht, sondern organisieren Sie die wichtigsten Dinge zuerst. Egal, wo ihr Angehöriger sich derzeit befindet, sehr wahrscheinlich bekommt er dort die Hilfe, die er benötigt und ist dort gut aufgehoben. Fragen Sie sich, ob ihr Angehöriger alle Dinge hat, die jetzt im Augenblick notwendig sind:

  • Ist ausreichend Wechselwäsche vorhanden?
  • Sind die Hörgeräte da?
  • Ist die Zahnprothese vor Ort und die Lesebrille dabei?
  • etc.

Sofern dies möglich ist, fragen Sie Ihren Angehörigen, welche Dinge ihm jetzt wichtig sind. Diese sollten Sie dann mitbringen. Ihr Angehöriger wird es Ihnen danken.

Sind Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen bzw. Patientenverfügungen vorhanden?

Prüfen Sie, ob ihr Angehöriger eine Vorsorgevollmacht, eine Betreuungsverfügung und bzw. oder eine Patientenverfügung hat. Denn sie werden merken, dass sich sehr schnell die Frage stellt, an wen zum Beispiel Ärzte und Pflegekräfte Informationen weitergeben dürfen. Sehr wahrscheinlich werden sie keine Auskunft bekommen, wenn sie keine entsprechende Vollmacht haben. Am besten ist es, wenn im Vorfeld klar ist, ob diese Art von Dokumenten vorliegt und wenn ja, wo sie hinterlegt sind.

Möglicherweise hat diese Dokumente auch ein Notar oder diese Dokumente sind im Zentralen Vorsorgeregister oder in der Betreuungsbehörde / Betreuungsstelle des hiesigen Amtsgerichts am Wohnort hinterlegt worden. Sollte es notwendig sein, wird sich die behandelnde Stelle, also zum Beispiel das Krankenhaus, mit dem hiesigen Amtsgericht in Verbindung setzen um die Zuständigkeiten zu klären.

Holen Sie sich weitere Informationen bei Ärzten oder anderen Personen

Falls möglich, informieren Sie sich bei den behandelnden Ärzten oder bei weiteren betreuenden Personen. Dies geht selbstverständlich nur, wenn sie einer Schweigepflichtentbindung vom Betroffenen haben, die in der Regel in der Vorsorgevollmacht enthalten ist. Es gibt keinen Anspruch auf Informationen, wenn sie keine Schweigepflichtentbindung vorliegen haben.

Nutzen Sie Ihren Anspruch auf kurzfristige Arbeitsverhinderung

Sie haben Anspruch auf eine kurzfristige Arbeitsverhinderung, um bei unvorhergesehenen Notfällen, bis zu 10 Arbeitstagen kurzfristig frei zu nehmen. Der Grund steht im Gesetz geschrieben: „in einer akut aufgetretenen Pflegesituation eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung in dieser Zeit sicherzustellen”.

Denken Sie daran: diese 10 Tage können zwischen mehreren Angehörigen aufgeteilt werden und es gibt sie pro erkranktem Angehörigen nur einmal. Klären Sie das bitte sofort mit der zuständigen Pflegekasse.

Keine vorschnellen, weitreichende Entscheidungen treffen

Bleiben Sie ruhig und treffen sie keine vorschnellen Entscheidungen. Versuchen Sie ruhig zu bleiben, trotz aller voraussichtlich auftretenden Hektik. Vermeiden Sie es, da wo das möglich ist, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Es wird einige Tage dauern, bis wirklich klar ist, was genau passiert ist und welche Perspektiven es für die Zukunft geben kann. Möglicherweise geht es ihrem Zugehörigen auch wieder besser. Manchmal hilft es auch, wenn man 2-3 Tage Zeit hat, um über die Situation nachzudenken, denn dann kann man oft mit etwas Abstand über weitere Versorgungsmöglichkeiten und Zukunftspläne nachdenken. Mit etwas Abstand können Sie klarer sehen, insbesondere wenn sich die Akutsituation etwas beruhigt hat.

Informieren Sie sich bei Experten

Wichtige Anlaufstelle ist meistens der Pflegestützpunkt, den sie in der Regel in jeder etwas größeren Stadt finden. Normalerweise gibt es diesen Kontakt über die Homepage ihrer Stadt oder des Kreises. Sie können auch eine unkomplizierte Beratungsmöglichkeit über das Beratungstelefon des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bekommen. Sie erreichen das Ministerium über die Telefonnummer: 030 20179131

Sie können sich aber auch direkt auf meiner Homepage https://www.pflege-hilfe-portal.de melden. Ich biete Ihnen verschiedene Formen der privaten Pflegeberatung an. Diese reichen vom Einzelcoaching bis zu Online-Hilfegruppen (Telegram und Facebook-Gruppen) und Onlinekursen.

Antrag auf Pflegegrad stellen und Begutachtung durch MDK gut vorbereiten

Wenn Sie alle wichtigen Informationen zusammengetragen haben ist es wichtig, dass sie einen Antrag auf einen Pflegegrad bei ihrer Pflegekasse stellen. Dies sollten Sie insbesondere dann tun, wenn absehbar ist, dass die Selbstständigkeit stark eingeschränkt ist und der jetzige Zustand für mindestens 6 Monate bestehen bleiben wird. Je früher Sie den Antrag stellen, je besser ist es.

Wie Sie sich optimal auf die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) vorbereiten können zeige ich Ihnen in einem eigens dafür erstellen Onlinekurs.

Dieser begleitet sie bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des kompletten Begutachtungsprozesses. Ergänzt wird der Kurs durch Videos, Checklisten, Musteranschreiben und der kostenlosen Mitgliedschaft in einer geheimen Facebook Gruppe. Dort können Sie sich mit Betroffenen und Experten vernetzen und sich austauschen. Schauen Sie sich doch einfach das kostenlose Webinar zu dem Kurs an. Sie können sich direkt hier anmelden.